Anti-AKW-Kampagne endete auf dem Domplatz: "Renaissance der Kernkraft ist ein fataler Fehler"

Auf der Suche nach dem Endlager: Die Campact-Aktivisten kamen bei ihrer Anti-AKW-Kampagne auch in Münster zu der Auffassung, dass sich die Stadt nicht als Deponie von noch strahlendem Uran eignet. [Foto: Thiessen]
Probebohrung auf dem Domplatz? Nein - keine Sorge. Es war lediglich ein provokant aufgezogenes Happening. Mit seinem am Samstagnachmittag initiierten, ungewöhnlichen Protestzug heizte das Kampagnen-Netzwerk Campact die Diskussion um den Atomausstieg neu ein.
So ließ die Organisation eine bunte Kolonne aus einer täuschend echten Castor-Attrappe samt Lastwagen, zahlreichen Aktivisten in Strahlenschutzanzügen und Atommüllfässern durch die Innenstadt ziehen. Höhepunkt dieser publikumsträchtig organisierten Endlagersuche war dann die spektakuläre Abschlussveranstaltung vor dem Dom: Nach einer "Tournee der Empörung" (O-Ton der Macher) war Münster nun die dreizehnte Stadt, in der die Teilnehmer mit Geigenzählernachbildungen und riesigen Lupen Gesteinsproben untersuchten. Wie in den anderen Orten kam man auch hier zu dem Schluss: Zur Deponie von noch strahlendem Uran ungeeignet.
Gefährliche Abfälle
Dass auch Gorleben und Asse hierfür nicht in Frage kämen, griff Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz in seiner anschließenden Rede auf. „Selbst Pinoccio würde sich für solche Lügen schämen“, kommentierte er wütend jene Gutachten, in denen die beiden Orte einst zu geeigneten Lagern erklärt worden wären. Nirgendwo seien die gefährlichen Abfälle sicher zu entsorgen, fuhr Bautz fort, weshalb die von der CDU propagierte „Renaissance des AKW“ ein fataler Fehler wäre – auch finanziell, da die Kernenergie von hohen Subventionen abhängig sei.
Heiner Möllers, der erste Vorsitzende der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“, verlieh seinem Zorn ebenfalls Ausdruck: Eine „große Sauerei“ sei es, dass die ursprünglich zeitliche Lagerbegrenzung bis 2036 in Ahaus einfach aufgehoben würde – ohne irgendeinen Kommentar seitens der Strahlenschutzbehörde. Nach den „illegalen Aktionen“ in Gorleben habe er, Möllers, jegliches Vertrauen in die zuständigen Institutionen verloren. Vor diesem Hintergrund appellierte er an seine Zuhörer: "Wenn Unrecht zu Recht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht."
"Brückentechnologie"
Doch Campact will nicht nur den Einzelnen aufrütteln, sondern auch die Politiker zur Verantwortung ziehen: So befragte Bautz Münsters Spitzenkandidaten im Hinblick auf die Bundestagswahl. Ruprecht Polenz (CDU) und Sebastian Herold (FDP) sprachen sich erneut für die Kernenergie als "Brückentechnologie" aus, da eine komplette Umstellung auf regenerative Quellen schlicht nicht finanzierbar sei. Hubertus Zdebel (Linke) plädierte für ein Enteignungsgesetz – mit seiner Partei im Bundestag würde die entsprechende juristische Basis geschaffen, um den Besitz der Stromanbieter in das Eigentum der Gesellschaft zu überführen.
Dass „die Macht der Monopolisten beschnitten werden muss“, stand auch für Bärbel Höhn (Bündnis 90/ Die Grünen) fest. Sie votierte gegen Kernkraft, mochte die brisante Problematik nicht einem schwarz-gelben Bündnis überlassen. Kein ,Wenn und Aber' gab's zudem für Christoph Strässer (SPD): „Was da teilweise passiert ist, macht einem Angst und Bange. Wir müssen beginnen, uns von dieser Energiequelle verabschieden.“
Bautz wiederum zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Ablauf des Nachmittags. „Für eine relativ kleine Stadt wie Münster", bilanzierte er, "sind 200 Leute, die sich beteiligen, schon ganz ordentlich. Insgesamt haben wir in den letzten Wochen rund 5000 Bürger auf die Straße gebracht. Aufmerksamkeit konnten wir auf jeden Fall erregen.“
Eva Jasmin Thiessen
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