Unfallentwicklung: Münster bleibt gefährlichstes Pflaster in NRW
Immer noch ein Problem in Münster: Rad plus Nacht plus Alkohol. [Foto: pixelio/Pambieni]
Während Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) am Montag in Düsseldorf bei der Vorstellung der Verkehrsunfallzahlen 2009 „einen historischen Tiefstand“ bei den Verkehrstoten (621) präsentieren konnte, sieht es für die Statistik im Bereich des Polizeipräsidiums Münster deutlich weniger positiv aus.
Denn trotz der Sicherheitsoffensive und der Ordnungspartnerschaft Verkehrsunfallprävention bleibt die oft ausgezeichnete Stadt Münster Tabellenführer – im negativen Sinne. Fakt bleibt auch nach Betrachtung der Zahlen für 2009: „In keinem anderen Ort Nordrhein-Westfalens ist die Chance größer, im Verkehr verletzt oder getötet zu werden, als in Münster“, so Polizeipräsident Hubert Wimber am Montagmittag auf der entsprechenden Pressekonferenz der Polizei. Münster ist mit 528 im Verkehr verletzten Personen auf 100.000 Einwohner Landesspitze (Schnitt: 407).
Verletzte: Knapp unter 1300 geblieben
Immerhin: Im letzten Jahr blieb die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden mit 1297 unter der 1300-er-Grenze, die zwischen 2005 und 2007 regelmäßig deutlich überschritten wurde. Allerdings liegt sie um 13 Unfälle höher als im Vorjahr. Insgesamt wurden 1567 Menschen in 2009 verletzt und fünf getötet – ein Anstieg um 1,42 Prozent zum Jahr 2008. Auch die Gesamtzahl aller Verkehrsunfälle stieg wieder an, um 2,7 Prozent auf 9661.
Unfälle mit Kindern rückläufig
Doch gibt es für Wimber und den Leitenden Polizeidirektor der Direktion Verkehr, Udo Weiss, in der neuen Statistik auch klare Anzeichen, dass man im dem präventiven und repressiven Aufwand, der in dieser Stadt betrieben wird, auf dem richtigen Weg ist. Besonders erfreulich ist die signifikante Abnahme der Unfälle mit Kindern (minus 23,4 Prozent) und Jugendlichen (-42,2 Prozent) – allerdings immer noch überschattet vom Tod des zwölfjährigen Joel im Sommer.
Radler und Fußgänger bleiben Risikogruppe Nr. 1
Auch das war ein Radfahrer-Unfall, und Wimber (Foto) erzählt kein großes Geheimnis, wenn er sagt: „Die Tendenz ist klar: Das Risiko auf Münsters Straßen zu sterben, verteilt sich ausschließlich auf die Gruppen der Radler und Fußgänger!“ Besonders auffällig, aber mangels Knautschzone und Airbag systemimmanent: Aus den beiden Gruppen generieren sich 51 Prozent der Unfall-Verletzten, auch wenn sie an nur insgesamt neun Prozent der Unfälle beteiligt waren.
Ohnehin: Die Pedalritter sorgen in der einstigen Fahrrad-Hauptstadt der Nation für besondere Verhältnisse – und Gefahren. Doch vieles ist auch hausgemacht. Denn in den Köpfen vieler Radler oder Verkehrsteilnehmer überhaupt, hat sich noch nicht die Erkenntnis geregt, dass Alkohol am Lenker kaum weniger gefährlich ist als Alkohol am Steuer. „Uns macht das häufig zu beobachtende Radfahren unter teilweise grotesken Alkoholwerten Sorge“, bekennt Wimber. 50 Prozent aller Blutproben der Verkehrspolizei in Münster entfallen auf Radler, 63 Prozent der Alkoholisierten sind in der Uni-Stadt zwischen 18 und 30 Jahren alt. Der komplette Rest zwischen 31 und 65. Die Tatzeiten zwischen 0 und 6 Uhr machen hier 70 Prozent aus.
Drei Tote
Insgesamt ereigneten sich 2009 im Stadtgebiet 724 Unfälle mit 831 beteiligten Radfahrern; 647 davon wurden verletzt, drei getötet. Schuld oder Mitschuld an den Unfällen trugen 53 Prozent der Radler, bei 25 Prozent war gar kein Kraftwagen am Crash beteiligt. Wobei in Münster auch die enorm hohe Zahl von einer halben Million Radbewegungen pro Tag beim einen oder anderen zur Frage führen mag, warum nicht noch mehr passiert.
Ludgerikreisel nach dem Umbau: Mehr Unfälle
Interessant ist im Übrigen die Entwicklung der Unfälle am extra umgebauten Ludgeri-Kreisel, einem der Crash-Hotspots von Münster, gerade was schwere Rad-Unfälle angeht. Im Vergleich zu 2007 rauschte die Anzahl 2009 um 20 Prozent auf 138 (mit 20 Leichtverletzten) nach oben. Vielsagend die Position Wimbers: „Wir werden uns nicht anmaßen, diese Entwicklung zu kommentieren. Wir können anhand unserer Zahlen nicht seriös beantworten, ob der Umbau Sinn gemacht hat und werden das auch nicht tun!“
Wimber: "Messlatte hoch legen!"
Dass die von der Sicherheitsoffensive für 2009 erhofften 10 Prozent Rückgang bei Unfällen mit Personenschaden nicht erreicht wurde, entmutigt Münsters oberste Polizisten allerdings nicht. Man bleibe beim Programm der Analyse, Prävention, Öffentlichkeitsarbeit und Repression. „Wir wollen da bewusst die Messlatte weiter hoch anlegen“, so Wimber, „da werden wir auch 2010 die Anstrengungen auf dem momentanen Niveau halten.“ Schließlich, fügt Udo Weiss an, „sind die Rückgänge in vielen Segmenten der Statistik absolut als Erfolg zu sehen.“
Lutz Hackmann
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